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Wo liegt der Kröver Nacktarsch?
Die Weinlage befindet sich an der Mittelmosel im Herzen des Weinortes Kröv. Die Mosel beschreibt hier ihre charakteristischen Schleifen und schafft ideale Voraussetzungen für den Weinbau. Steile Südhänge fangen die Sonnenstrahlen optimal ein, während der Fluss tagsüber Wärme speichert und sie nachts langsam wieder an die Reben abgibt.
Dieses besondere Mikroklima sorgt für lange Reifezeiten. Genau diese langsame Entwicklung macht Mosel-Rieslinge weltweit so einzigartig.
Zum Kröver Nacktarsch gehören heute sechs Einzellagen:
- Letterlay
- Steffensberg
- Kirchlay
- Paradies
- Burglay
- Herrenberg
Jede dieser Lagen besitzt ihre eigenen Bodenstrukturen, Hangneigungen und Mikroklimata und trägt ihren Teil zum Charakter der Weine bei.
Warum heißt der Kröver Nacktarsch überhaupt so?
Kaum ein deutscher Weinname sorgt für mehr Diskussionen. Dabei ist zunächst wichtig zu wissen: Der Name entstand nicht als Marketingidee. Er ist erheblich älter als sämtliche Werbeetiketten und wurde bereits lange verwendet, bevor er auf Weinflaschen erschien. Die historischen Quellen zeigen eindeutig, dass der Begriff tief im Kröver Volksmund verwurzelt war.
Die älteste bekannte Erwähnung führt ins Jahr 1645
Die älteste urkundliche Spur führt zurück in das Jahr 1645. In einem Schenkungsvertrag zwischen Kröver Eheleuten und der Abtei Echternach wird bereits ein Weinberg mit der Bezeichnung „ein weingartten im Jungarsch" genannt.
Der Begriff „Jungarsch" bezeichnete damals einen jungen Weinberg beziehungsweise eine Neuanpflanzung. Später wurde dieser Name im offiziellen Kataster abgeschwächt und als Jungicht geführt. Im alltäglichen Sprachgebrauch blieb die ältere Bezeichnung jedoch erhalten. Damit steht fest: Die Wortfamilie rund um den Namen Nacktarsch existiert bereits seit dem 17. Jahrhundert und entstand nicht erst im 20. Jahrhundert.
Was bedeutete „Nacktarsch" ursprünglich?
Historiker gehen heute davon aus, dass der Begriff ursprünglich keine Person bezeichnete. Vielmehr verwendeten die Kröver Winzer den Ausdruck für Weinberge,
- die ungeschützt lagen,
- besonders kahl wirkten,
- wenig Bewuchs aufwiesen oder
- stark dem Wind ausgesetzt waren.
Der Ausdruck „nackt" beschrieb also wahrscheinlich den Zustand der Landschaft. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein fester Flurname innerhalb des Kröver Sprachgebrauchs.
Die Geschichte vom „naakisch Ääsch"
Eine der bekanntesten Überlieferungen stammt aus der Zeit um 1910. Der Winzer Peter Nikolaus Junglen legte gemeinsam mit seinen Söhnen einen neuen Weinberg an. Viele der jungen Rebstöcke wuchsen jedoch nicht an. Zwischen den Reben entstanden zahlreiche kahle Stellen.
Die Kröver waren für ihren trockenen Humor bekannt. Schon bald sprach man im Dorf vom Weinberg mit den „naakisch Ääsch" – den „nackten Ärschen". Der Spitzname verbreitete sich schnell auf weitere benachbarte Weinberge und führte dazu, dass der alte Flurname wieder stärker im Alltag verwendet wurde.
Mehrere Erklärungen – nicht nur eine
Im Laufe der Jahrhunderte entstanden zahlreiche weitere Erklärungsversuche. Zu den bekanntesten gehören die Kellergeschichte: Ein Kellermeister erwischt zwei Jungen beim heimlichen Probieren des Weines und versohlt ihnen den nackten Hintern. Diese Szene wurde später auf den berühmten Weinetiketten dargestellt und ist bis heute weltweit bekannt. Historisch belegt ist allerdings lediglich das Etikettenmotiv – nicht der tatsächliche Ursprung des Namens.
Die Nektar-Theorie vermutet einen Zusammenhang mit dem griechisch-lateinischen Wort Nectar beziehungsweise Nektar, das im Volksmund über viele Jahrhunderte verändert worden sein könnte. Diese Erklärung gilt als sprachwissenschaftliche Hypothese und ist nicht abschließend belegt.
Die keltische Theorie führt den Namen auf das keltische Wort nackas zurück, das sinngemäß eine felsige Höhe beschreiben soll. Auch hierfür existieren Hinweise, jedoch kein eindeutiger wissenschaftlicher Beweis.
Was gilt heute als historisch gesichert?
Aus heutiger Sicht lassen sich einige Aussagen eindeutig von späteren Legenden unterscheiden. Als historisch gut belegt gelten:
- Flurnamen mit der Endung „-arsch" existierten bereits im 17. Jahrhundert.
- 1645 erscheint „Jungarsch" erstmals urkundlich.
- Der Begriff „Nacktarsch" wurde im Kröver Volksmund lange vor seiner Nutzung auf Weinetiketten verwendet.
- Um 1910 wurde der Name durch die Geschichte um den „naakisch Ääsch" erneut populär.
- Erst Anfang der 1920er Jahre gelangte der Name auf Weinflaschen.
Die zahlreichen Legenden gehören heute ebenso zur Kulturgeschichte des Kröver Nacktarsch wie die gesicherten historischen Quellen. Gerade diese Mischung aus Wahrheit, Dorfgeschichte und mündlicher Überlieferung macht den besonderen Reiz des Namens aus.
Wie der Kröver Nacktarsch weltberühmt wurde
Der Name Kröver Nacktarsch war Anfang des 20. Jahrhunderts bereits vielen Menschen im Ort bekannt. Er gehörte zum Kröver Dialekt, wurde als Spitzname für bestimmte Weinberge verwendet und sorgte regelmäßig für Schmunzeln. Außerhalb Krövs kannte ihn jedoch kaum jemand.
Dass sich dies innerhalb weniger Jahre grundlegend ändern sollte, war weder geplant noch vorhersehbar. Aus einem regionalen Flurnamen entstand eine Weinmarke mit außergewöhnlicher Strahlkraft – lange bevor Begriffe wie Branding, Storytelling oder Marketing überhaupt existierten.
Die Mosel steckt in einer Absatzkrise
Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren für viele Winzer an der Mosel schwierig. Inflation, wirtschaftliche Unsicherheit und der zunehmende Import preisgünstiger Weine aus dem Ausland machten den Winzern schwer zu schaffen. Viele Betriebe kämpften ums wirtschaftliche Überleben. Wein wurde überwiegend nach Herkunft verkauft – etwa als „Moselwein" oder „Kröver Wein". Einzelne Lagen spielten im Handel nur eine untergeordnete Rolle. Die Konkurrenz war groß, die Unterschiede zwischen den Erzeugern für viele Käufer kaum erkennbar. Genau in dieser Zeit sollte eine zufällige Idee den Weinbau in Kröv nachhaltig verändern.
Ein Kreideschriftzug auf einem Weinfass
Der Ort dieser Geschichte ist der Keller des traditionsreichen Weinguts J. Schnitzius-Müllers in Kröv. Während einer Jungweinprobe fiel dem damaligen Kröver Kaplan Franz Glockner auf einem Fass eine mit Kreide geschriebene Bezeichnung auf: „Nacktarsch". Für die Winzer war dies nichts Besonderes. Man wusste sofort, welcher Wein gemeint war. Kaplan Glockner jedoch erkannte etwas, das bis dahin niemand gesehen hatte. Er schlug vor, den ungewöhnlichen Namen nicht nur als interne Fassbezeichnung zu verwenden, sondern ihn auf die Weinflaschen zu drucken.
Eine Idee, die zunächst niemand überzeugte
Aus heutiger Sicht erscheint diese Entscheidung selbstverständlich. Damals war sie jedoch geradezu revolutionär. Der Name „Nacktarsch" war derb, ungewöhnlich und für viele Menschen schlicht nicht gesellschaftsfähig. Wein wurde seriös verkauft, und ein Name wie „Kröver Nacktarsch" passte nicht in das Bild eines hochwertigen Moselweins. Carl beziehungsweise J. Schnitzius-Müllers zögerte daher zunächst, dem Rat des Kaplans zu folgen. Schließlich handelte es sich ausgerechnet um einen Geistlichen, der diesen ungewöhnlichen Vorschlag machte – eine Ironie der Geschichte, die bis heute fasziniert.
Der Weinhändler erkennt das Potenzial
Die entscheidende Wende kam wenig später. Im Jahr 1921 besuchte ein Weinhändler den Keller des Weinguts. Er erklärte sich bereit, für den Wein sogar einen höheren Preis zu bezahlen – allerdings unter einer Bedingung: Der Wein sollte unter dem Namen „Kröver Nacktarsch" verkauft werden. Damit war zum ersten Mal bewiesen, dass nicht nur die Qualität des Weins, sondern auch der außergewöhnliche Name einen wirtschaftlichen Wert besaß. Heute würde man von Markenwert sprechen. Damals war dies eine völlig neue Erkenntnis.
Das erste Etikett entsteht
1922 wagte Schnitzius-Müllers schließlich den entscheidenden Schritt. Zunächst erschien lediglich ein schlichtes Etikett mit der Aufschrift „Cröver Nacktarsch". Doch die Resonanz blieb verhalten – der Name allein genügte offenbar nicht. Also beauftragte das Weingut die Mainzer Druckerei Maubach & Co., ein aufmerksamkeitsstarkes Etikett zu entwickeln.
Ein Bild, das Wein-Geschichte schrieb
Die Druckerei entwickelte mehrere Entwürfe. Schließlich entschied man sich für jenes Motiv, das bis heute weltweit mit dem Kröver Nacktarsch verbunden wird: Ein Kellermeister überrascht einen Jungen beim heimlichen Probieren des Weins und versohlt ihm den nackten Hintern. Dieses humorvolle Motiv war nicht als historische Darstellung gedacht. Es sollte vielmehr den ungewöhnlichen Namen bildlich erklären und den Wein unverwechselbar machen. Genau das gelang – innerhalb kurzer Zeit wurde das Motiv zum Markenzeichen des Kröver Nacktarsch.
Der Beginn einer Erfolgsgeschichte
Bereits kurz nach der Einführung sprach sich der außergewöhnliche Weinname weit über die Mosel hinaus herum. Menschen erinnerten sich an den Namen, erzählten Freunden davon und fragten gezielt nach dem Wein. Der Kröver Nacktarsch entwickelte sich zu einer der ersten echten Weinmarken Deutschlands, deren Bekanntheit nicht allein auf der Herkunft oder der Rebsorte beruhte, sondern auf einer außergewöhnlichen Geschichte. Während viele Weine damals kaum voneinander zu unterscheiden waren, blieb dieser Name jedem im Gedächtnis.
Die Druckerei Lebenstedt übernimmt
Der Erfolg blieb den übrigen Winzern Krövs natürlich nicht verborgen. Viele wollten den Bekanntheitsgrad ebenfalls nutzen. Ab etwa 1930 bot die Kröver Druckerei P. Lebenstedt deshalb ein eigenes, gemeinschaftlich nutzbares Nacktarsch-Etikett für die Winzer des Ortes an. Dieses neue Etikett unterschied sich deutlich vom ursprünglichen Motiv: Es wurde vom Bildhauer August Lebenstedt gestaltet, den bekannten Vierzeiler auf dem ovalen Rahmen dichtete Gertrud Lebenstedt. Gemeinsam schufen beide jenes Erscheinungsbild, das den Kröver Nacktarsch bis heute prägt.
Der berühmte Vierzeiler
Besonders prägend wurde das Gedicht, das den Bildrahmen des Etiketts umgibt. Es verbindet Humor, Weinfreude und Dorfgeschichte miteinander und machte den Kröver Nacktarsch zusätzlich unverwechselbar. Viele Weinfreunde kennen das Motiv bis heute, ohne zu wissen, dass die Verse von Gertrud Lebenstedt stammen und eigens für dieses Etikett verfasst wurden.
Symbol eines ganzen Weinortes
Mit dem neuen Etikett änderte sich auch die Wahrnehmung des Weines. Aus einem einzelnen Produkt wurde nach und nach ein Symbol für den gesamten Weinort Kröv. Immer mehr Winzer verwendeten den Namen, immer mehr Händler nahmen ihn in ihr Sortiment auf. Schon wenige Jahre später war der Kröver Nacktarsch weit über Rheinland-Pfalz hinaus bekannt. Für viele Menschen war er der erste Moselwein, dessen Name sofort im Gedächtnis blieb.
Das Verbot des Kröver Nacktarsch
Wo Aufmerksamkeit entsteht, entsteht häufig auch Kritik. Der freche Name und das ungewöhnliche Etikett stießen längst nicht überall auf Begeisterung. Während Weinfreunde den Humor schätzten, empfanden konservative Kreise die Darstellung als anstößig. Besonders das Motiv mit dem nackten Jungen wurde von sogenannten Sittenwächtern immer häufiger kritisiert. Anfang 1938 griff der damalige Werberat der deutschen Wirtschaft ein: Die weitere Verwendung der Bezeichnungen Cröver Nacktarsch und Lörscher Arschbacken als Weinnamen wurde untersagt. Neue Jahrgänge durften diese Namen nicht mehr tragen.
Für die Winzer in Kröv war dies ein schwerer Schlag. Innerhalb weniger Jahre hatte sich der Name zu einem wichtigen Verkaufsargument entwickelt. Mit einem Mal durfte genau dieses Markenzeichen nicht mehr verwendet werden. Bereits wenige Monate nach dem Verbot berichteten die Kröver Winzer von erheblichen Absatzproblemen: Weinhändler fragten gezielt nach dem Kröver Nacktarsch, doch da der Name nicht mehr verwendet werden durfte, blieben zahlreiche Fuder Wein unverkauft oder konnten nur zu deutlich niedrigeren Preisen verkauft werden. Nicht der Wein hatte sich verändert – allein der fehlende Name führte dazu, dass sich derselbe Wein deutlich schlechter verkaufen ließ.
Ganz Kröv hält zusammen
Die Einwohner Krövs beschlossen, sich gegen das Verbot zu wehren. Im Februar 1939 richteten Vertreter des Ortes gemeinsam mit dem Bürgermeister, dem Kreisleiter und weiteren Verantwortlichen eine Eingabe an den Werberat. Darin machten sie deutlich, dass der Kröver Nacktarsch längst zu einem wichtigen Aushängeschild des Moselweins geworden war und dass der Name den Weinen Weltruf verschafft habe, dessen Wegfall den Winzern erhebliche wirtschaftliche Nachteile bereite.
Rückblickend wirkt dieser Protest bemerkenswert modern. Nicht nur einzelne Winzer kämpften für ihren Namen – ein ganzer Weinort setzte sich gemeinsam für den Erhalt seiner Marke ein. Heute würde man von Standortmarketing oder regionaler Markenidentität sprechen. Damals war dies nahezu einzigartig. Der Kröver Nacktarsch war längst mehr geworden als eine Weinbezeichnung. Er war ein Stück Identität.
Der Name überlebt
Trotz der schwierigen Jahre verschwand der Kröver Nacktarsch nicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte der Name schrittweise in den Weinhandel zurück. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte er sich endgültig zu einem Wahrzeichen der Mittelmosel. Heute gehört der Kröver Nacktarsch zu den bekanntesten Weinlagen Deutschlands und ist weit über die Grenzen des Weinbaus hinaus bekannt. Seine Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass große Marken oft nicht am Schreibtisch entstehen, sondern aus einer Mischung aus Zufall, Mut, Tradition und Menschen, die an eine gute Idee glauben.
Die Weinlage Kröver Nacktarsch – Terroir, Böden und Charakter
Viele Menschen kennen den Kröver Nacktarsch wegen seines außergewöhnlichen Namens. Für Winzer und Weinliebhaber ist jedoch etwas anderes entscheidend: die außergewöhnlichen natürlichen Voraussetzungen, die diese Weinlage seit Jahrhunderten prägen. Denn hinter dem bekannten Namen verbirgt sich keine einzelne Parzelle, sondern eine abwechslungsreiche Weinlandschaft, deren Steilhänge, Böden und klimatischen Bedingungen zu den besten der Mittelmosel zählen. Die Weine aus dem Kröver Nacktarsch erzählen deshalb nicht nur eine Geschichte – sie spiegeln ihre Herkunft wider.
Was ist der Kröver Nacktarsch eigentlich?
Oft wird angenommen, der Kröver Nacktarsch sei ein einzelner Weinberg. Das ist nicht richtig. Heute handelt es sich um eine geschützte Großlage innerhalb des Weinbaugebiets Mosel. Unter diesem Namen werden mehrere historisch gewachsene Einzellagen zusammengefasst, die sich rund um den Weinort Kröv und den Ortsteil Kövenig befinden.
Die Großlage umfasst rund 320 Hektar Rebfläche und gehört zum Bereich Bernkastel. Anders als bei vielen anderen Großlagen stammt jeder Wein mit der Herkunftsbezeichnung Kröver Nacktarsch ausschließlich aus Weinbergen innerhalb der Gemeinde Kröv beziehungsweise Kövenig. Dadurch besitzt die Bezeichnung bis heute eine enge geografische Verbindung zum Ort und genießt bei Weinfreunden eine hohe Wiedererkennbarkeit.
Eine Weinlandschaft voller Gegensätze
Gerade diese Vielfalt macht den Kröver Nacktarsch so spannend. Innerhalb weniger Kilometer verändern sich
- Bodenarten,
- Hangneigungen,
- Höhenlagen,
- Sonneneinstrahlung,
- Wasserverfügbarkeit
- und Kleinklima.
Deshalb gibt es nicht den einen typischen Kröver Nacktarsch, sondern eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Stilrichtungen. Das gemeinsame Fundament bleibt jedoch stets erhalten: die Herkunft von der Mittelmosel.
Der Schiefer – das Fundament des Moselrieslings
Wenn von Moselwein gesprochen wird, fällt fast immer ein Begriff: Schiefer. Die Böden rund um Kröv bestehen überwiegend aus Devonschiefer, der vor rund 400 Millionen Jahren entstand. Im Laufe der Zeit verwitterte das Gestein zu lockeren, steinreichen Böden. Für den Weinbau bietet dies zahlreiche Vorteile. Der Boden
- speichert tagsüber Sonnenwärme,
- gibt sie nachts langsam wieder ab,
- lässt überschüssiges Wasser schnell abfließen,
- zwingt die Reben zu tiefem Wurzelwachstum,
- versorgt die Pflanzen gleichmäßig mit Mineralstoffen.
Diese Bedingungen sorgen dafür, dass die Reben auch in trockenen Jahren erstaunlich ausgewogene Trauben hervorbringen.
Ton und Lehm ergänzen den Schiefer
Nicht jeder Weinberg besteht ausschließlich aus Schiefer. Vor allem im Bereich des Paradieses sowie einzelner Hangabschnitte treten zusätzlich Ton- und Lehmböden auf. Diese speichern Wasser deutlich besser als reine Schieferböden. Dadurch entstehen kräftigere Weine mit mehr Körper und Schmelz. Während Schiefer häufig Eleganz und Mineralität betont, sorgen Lehm und Ton für Fülle, Dichte und ein cremigeres Mundgefühl. Gerade diese Kombination macht den Kröver Nacktarsch außergewöhnlich vielseitig.
Die Mosel als natürlicher Klimaregulator
Die Mosel ist weit mehr als eine landschaftliche Kulisse. Sie beeinflusst das gesamte Mikroklima der Weinberge. Tagsüber reflektiert das Wasser zusätzliches Sonnenlicht in die Steilhänge, nachts wirkt der Fluss wie ein Wärmespeicher. Dadurch reifen die Trauben langsamer und gleichmäßiger. Gerade Riesling profitiert von dieser langen Vegetationsperiode: Die Beeren entwickeln intensive Fruchtaromen, ohne ihre charakteristische Frische zu verlieren.
Warum Steillagen so besonders sind
Der Weinbau in Kröv gehört zu den anspruchsvollsten Deutschlands. Viele Weinberge können bis heute ausschließlich in Handarbeit bewirtschaftet werden – Maschinen stoßen auf den steilen Hängen schnell an ihre Grenzen. Jeder Rebstock erhält dadurch besonders viel Aufmerksamkeit: Vom Rebschnitt über die Laubarbeit bis zur Lese bleibt der Mensch der wichtigste Faktor. Diese aufwendige Bewirtschaftung gehört seit Jahrhunderten zur Identität des Moselweinbaus.
Die sechs Einzellagen des Kröver Nacktarsch
Zur Großlage gehören heute sechs offiziell ausgewiesene Einzellagen. Jede von ihnen besitzt einen eigenen Charakter und bringt unterschiedliche Weinstile hervor.
Kröver Steffensberg
Der Steffensberg zählt zu den renommiertesten Rieslinglagen Krövs. Die steilen Hänge sind überwiegend nach Süden ausgerichtet und bestehen aus verwittertem Devonschiefer. Hier entstehen elegante Rieslinge mit feiner Mineralität, lebendiger Säure und großer Lagerfähigkeit.
Kröver Letterlay
Direkt an den Steffensberg anschließend liegt die Letterlay. Auch sie gehört zu den klassischen Steillagen der Mittelmosel und ist für besonders filigrane Rieslinge bekannt. Der hohe Schieferanteil verleiht den Weinen Finesse, Klarheit und eine präzise Frucht.
Kröver Kirchlay
Die Kirchlay besitzt überwiegend südöstlich ausgerichtete Hänge. Hier wechseln sich Tonschieferverwitterungsböden mit Lehm- und Schieferanteilen ab. Dadurch entstehen kräftigere Weine mit mehr Körper und Struktur. Neben Riesling fühlen sich hier auch Burgundersorten wohl.
Kröver Paradies
Mit rund 160 Hektar Rebfläche bildet das Paradies den größten Teil der Großlage. Je nach Hanglage verändern sich die Böden deutlich: Während sich in den unteren Bereichen tiefgründige Lehmböden finden, dominieren in den steileren Hängen Schiefer und Ton. Dadurch eignet sich die Lage für eine außergewöhnlich große Vielfalt an Rebsorten – vom klassischen Riesling bis hin zu Kerner, Dornfelder oder Müller-Thurgau.
Köveniger Burglay
Die Burglay gehört zu den kleineren, aber landschaftlich besonders reizvollen Lagen. Auch hier prägen Schieferverwitterungsböden den Charakter der Weine. Durch die etwas kühlere Lage entwickeln sich elegante, feinfruchtige Rieslinge mit ausgeprägter Mineralität.
Köveniger Herrenberg
Der Herrenberg ergänzt die Großlage um weitere steile Schieferhänge. Die Kombination aus Sonnenexposition, Hangneigung und Bodenstruktur schafft hervorragende Voraussetzungen für ausdrucksstarke Moselweine mit langem Reifepotenzial.
Riesling – die Königin des Kröver Nacktarsch
Obwohl innerhalb der Großlage zahlreiche Rebsorten wachsen, prägt vor allem eine Sorte das internationale Ansehen des Kröver Nacktarsch: Riesling. Kaum eine Rebsorte bringt ihre Herkunft so präzise zum Ausdruck. Im Kröver Nacktarsch entwickelt er je nach Lage völlig unterschiedliche Facetten. Von den kühleren Schieferhängen stammen häufig elegante, mineralische Weine mit feiner Zitrusfrucht. Auf etwas wärmeren Böden entstehen dagegen kraftvollere Rieslinge mit reifem Pfirsich, Aprikose oder gelbem Steinobst. Allen gemeinsam ist das typische Zusammenspiel aus Frucht, Frische und Mineralität.
Das Terroir – warum hier besondere Weine entstehen
Kaum ein Begriff wird in der Weinwelt häufiger verwendet als Terroir. Gemeint ist das Zusammenspiel aller natürlichen Einflüsse, die einen Wein prägen:
- Boden
- Klima
- Sonneneinstrahlung
- Niederschläge
- Hanglage
- Höhenlage
- Winzerarbeit
Gerade an der Mosel ist dieses Zusammenspiel außergewöhnlich ausgeprägt.
Die Bedeutung der Großlage heute
In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Begriff Großlage nicht immer positiv wahrgenommen. Viele Großlagen in Deutschland umfassen zahlreiche Orte und sehr unterschiedliche Terroirs. Der Kröver Nacktarsch nimmt hier jedoch eine Sonderstellung ein: Die Großlage ist eng mit einem einzigen Weinort verbunden, besitzt eine außergewöhnlich lange Geschichte, ist weltweit bekannt und steht bis heute für die Weintradition Krövs. Damit ist der Kröver Nacktarsch weit mehr als eine geografische Herkunftsangabe – er ist ein kulturelles Wahrzeichen der Mosel.
Das Terroir im Glas
Wer einen Wein aus dem Kröver Nacktarsch probiert, schmeckt deshalb nicht nur eine Rebsorte. Er erlebt
- sonnenverwöhnte Steilhänge,
- jahrmillionenalten Schiefer,
- das besondere Klima der Mosel,
- die Handschrift des Winzers
- und die Geschichte einer Weinlandschaft, die seit Jahrhunderten zu den bedeutendsten Deutschlands zählt.
Genau diese Verbindung aus Natur, Handwerk und Herkunft macht den Kröver Nacktarsch zu einer der faszinierendsten Weinlagen der Mosel.
Die Weine des Kröver Nacktarsch – Geschmacksrichtungen, Prädikate und Besonderheiten
Der Kröver Nacktarsch ist weit mehr als nur eine berühmte Weinlage. Er ist eine Herkunft, die unterschiedlichste Weinstile hervorbringen kann. Kaum eine andere Lage an der Mosel verbindet so eindrucksvoll Tradition, Vielfalt und Wiedererkennungswert. Wer den Namen ausschließlich mit süßem Riesling verbindet, kennt nur einen kleinen Teil seiner Möglichkeiten. Heute entstehen im Kröver Nacktarsch elegante trockene Rieslinge, fruchtige Kabinette, feinherbe Alltagsweine, edelsüße Prädikatsweine sowie – je nach Lage – auch hervorragende Burgunderweine und weitere Rebsorten.
Was bestimmt den Geschmack eines Kröver Nacktarsch?
Viele glauben, der Name einer Weinlage bestimme automatisch den Geschmack eines Weines. Tatsächlich spielen zahlreiche Faktoren zusammen:
- die Rebsorte,
- die Bodenart,
- die Hanglage,
- die Sonneneinstrahlung,
- der Lesezeitpunkt,
- die natürliche Reife der Trauben,
- sowie die Handschrift des Winzers.
Deshalb können zwei Weine aus derselben Lage völlig unterschiedlich schmecken und dennoch beide typische Vertreter des Kröver Nacktarsch sein.
Kröver Nacktarsch trocken
Der trockene Ausbau bringt den Charakter der Weinlage besonders deutlich zum Ausdruck. Hier stehen Herkunft und Mineralität im Mittelpunkt. Typische Aromen sind grüner Apfel, Limette, Grapefruit, Weinbergpfirsich, Kräuter und feine Schieferwürze. Am Gaumen wirken trockene Rieslinge präzise, geradlinig und animierend. Sie passen hervorragend zu:
- Fisch,
- Meeresfrüchten,
- Geflügel,
- Spargel,
- mediterraner Küche,
- Sushi,
- vegetarischen Gerichten.
Kröver Nacktarsch feinherb
Feinherbe Rieslinge zählen zu den beliebtesten Weinstilen der Mosel. Sie verbinden die Frische eines trockenen Weines mit einer angenehm wahrnehmbaren Fruchtsüße. Typische Fruchtaromen sind reifer Pfirsich, Aprikose, Birne, gelber Apfel und Zitrusfrüchte. Feinherbe Weine eignen sich hervorragend für gesellige Abende und harmonieren besonders gut mit:
- asiatischer Küche,
- Geflügel,
- Kalbfleisch,
- Flammkuchen,
- mildem Käse,
- leichten Vorspeisen.
Kröver Nacktarsch fruchtsüß
Die Mosel gehört weltweit zu den bedeutendsten Regionen für fruchtsüße Rieslinge. Dabei bedeutet „fruchtsüß" keineswegs schwer oder klebrig – die natürliche Säure des Rieslings sorgt dafür, dass die Süße niemals aufdringlich wirkt. Gerade dieses berühmte Süße-Säure-Spiel macht Moselrieslinge weltweit einzigartig. Typische Aromen sind Pfirsich, Aprikose, Honigmelone, reife Zitrusfrüchte, exotische Früchte und feine Blütennoten. Fruchtsüße Rieslinge passen hervorragend zu:
- würziger asiatischer Küche,
- scharfem Curry,
- Käse,
- Desserts,
- Obst,
- oder einfach als Solowein auf der Terrasse.
Was bedeutet eigentlich Kabinett?
Kaum ein Begriff ist so eng mit der Mosel verbunden wie der Kabinett. Dabei handelt es sich nicht um eine Rebsorte, sondern um eine Prädikatsstufe. Kabinettweine entstehen aus besonders sorgfältig gelesenen Trauben mit einem natürlichen Mostgewicht. Das Ziel ist dabei nicht möglichst viel Alkohol, sondern Eleganz. Typisch sind geringe Alkoholwerte, enorme Frische, hohe Finesse und außergewöhnliche Trinkfreude. Gerade an der Mosel genießen Kabinettweine weltweit einen exzellenten Ruf.
Kröver Nacktarsch Riesling Kabinett trocken
Ein trockener Kabinett verbindet Leichtigkeit mit Ausdruck. Er wirkt niemals schwer – stattdessen stehen Frische, Mineralität und Eleganz im Vordergrund. Durch den vergleichsweise niedrigen Alkoholgehalt bleiben diese Weine angenehm leicht und entwickeln dennoch eine bemerkenswerte Komplexität. Sie passen hervorragend zu:
- Fisch,
- Schalentieren,
- Sommerküche,
- Salaten,
- vegetarischen Gerichten.
Kröver Nacktarsch Riesling Kabinett fruchtsüß
Für viele Weinliebhaber verkörpert genau dieser Stil den klassischen Moselriesling. Das natürliche Gleichgewicht aus Fruchtsüße und Säure sorgt dafür, dass der Wein trotz seiner Süße lebendig und niemals schwer wirkt. Gerade junge Kabinette begeistern mit knackigem Apfel, Weinbergpfirsich, Aprikose, Zitrusfrucht und feiner Mineralität. Mit zunehmender Reife entwickeln sie zusätzlich Honignoten, kandierte Zitrusfrüchte, getrocknete Aprikosen und feine Kräuteraromen. Kabinette besitzen oft ein erstaunliches Lagerpotenzial und gewinnen über viele Jahre an Komplexität.
Spätlese – wenn die Natur noch etwas mehr Zeit bekommt
Neben Kabinett entstehen im Kröver Nacktarsch regelmäßig auch hochwertige Spätlesen. Hier verbleiben die Trauben länger am Rebstock. Dadurch entwickeln sie höhere Reife, intensivere Frucht, mehr Extrakt und größere Konzentration. Spätlesen wirken kraftvoller als Kabinette, behalten aber die typische Eleganz der Mosel.
Auslese und edelsüße Spezialitäten
In außergewöhnlichen Jahren entstehen außerdem Auslesen und weitere edelsüße Prädikatsweine. Hier werden ausschließlich besonders reife Trauben gelesen. Sie gehören zu den langlebigsten Weinen Deutschlands und können – bei optimaler Lagerung – über Jahrzehnte reifen. Mit zunehmendem Alter entwickeln sich komplexe Aromen von Honig, kandierten Früchten, Trockenobst, Kräutern und feiner Mineralität.
Der Kröver Nacktarsch kann mehr als Riesling
Obwohl Riesling das Aushängeschild der Lage ist, bietet der Kröver Nacktarsch deutlich mehr. Je nach Einzellage entstehen unter anderem:
- Weißburgunder – fein, elegant und cremig mit Aromen von Birne, Apfel und Nüssen.
- Grauburgunder – kräftiger, würziger und mit mehr Schmelz, ideal zu herzhaften Speisen.
- Chardonnay – je nach Ausbau frisch und mineralisch oder kraftvoll mit feinem Holzfasscharakter.
- Sauvignon Blanc – lebendig, aromatisch und geprägt von Stachelbeere, Cassis und Kräutern.
- Spätburgunder – auf geeigneten Standorten entstehen elegante Rotweine mit feiner Kirschfrucht und angenehmer Würze.
- Weitere traditionelle Rebsorten wie Kerner, Bacchus, Rivaner oder Dornfelder bereichern die Vielfalt der Großlage und zeigen, wie facettenreich der Kröver Nacktarsch heute interpretiert werden kann.
Die Philosophie im Weinhaus Beth
Im Weinhaus Beth verstehen wir den Kröver Nacktarsch nicht als Marke allein, sondern als Herkunft mit Verantwortung. Jeder Wein soll den Charakter seiner Lage widerspiegeln. Deshalb steht bei uns nicht ein möglichst einheitlicher Geschmack im Vordergrund, sondern die Vielfalt des Jahrgangs, der Böden und der einzelnen Weinberge.
Unser Sortiment umfasst sowohl klassische trockene Rieslinge als auch feinherbe und fruchtsüße Weine sowie elegante Kabinette. Ergänzt wird das Angebot durch weitere Rebsorten aus der Großlage, die zeigen, wie vielseitig der Kröver Nacktarsch heute sein kann. Ob als unkomplizierter Terrassenwein, feiner Speisenbegleiter oder anspruchsvoller Prädikatswein – jeder Wein erzählt ein Stück der Geschichte Krövs.
Welcher Kröver Nacktarsch passt zu welchem Anlass?
| Anlass | Empfehlung |
|---|---|
| Sommerabend auf der Terrasse | Riesling feinherb |
| Fisch & Meeresfrüchte | Riesling trocken |
| Sushi & asiatische Küche | Riesling trocken oder feinherb |
| Grillabend | Grauburgunder oder trockener Riesling |
| Käseplatte | Riesling fruchtsüß |
| Dessert | Kabinett fruchtsüß oder Auslese |
| Geschenk für Weinfreunde | Riesling Kabinett trocken oder fruchtsüß |
| Festliches Menü | Spätlese oder hochwertiger Riesling aus einer Einzellage |
Häufig gestellte Fragen zum Kröver Nacktarsch
Was ist der Kröver Nacktarsch?
Der Kröver Nacktarsch ist eine geschützte Großlage im Weinbaugebiet Mosel. Sie umfasst rund 320 Hektar Rebfläche und liegt ausschließlich auf den Gemarkungen der Gemeinde Kröv und des Ortsteils Kövenig. Heute zählt sie zu den bekanntesten Weinlagen Deutschlands und genießt auch international einen hohen Bekanntheitsgrad.
Woher stammt der Name Kröver Nacktarsch?
Der Name stammt nicht aus einer modernen Marketingidee, sondern ist historisch gewachsen. Bereits 1645 wird mit „Jungarsch" eine verwandte Flurbezeichnung urkundlich erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus der heute bekannte Name „Kröver Nacktarsch".
Ist die Geschichte vom nackten Jungen im Weinkeller wahr?
Das berühmte Motiv auf den Etiketten zeigt einen Kellermeister, der einem beim Weinprobieren ertappten Jungen den nackten Hintern versohlt. Dieses Bild entstand jedoch erst mit dem ersten Etikett von 1922 und erklärt den Namen bildhaft. Als tatsächlicher Ursprung des Namens gilt diese Geschichte heute nicht als historisch belegt.
Seit wann gibt es den Kröver Nacktarsch?
Die Namensfamilie ist seit dem Jahr 1645 urkundlich nachweisbar. Als Weinname erschien „Kröver Nacktarsch" erstmals 1922 auf einem Weinetikett des Weinguts Schnitzius-Müllers.
Wer hatte die Idee zum ersten Etikett?
Die Idee geht auf den Kröver Kaplan Franz Glockner zurück. Er entdeckte den Namen „Nacktarsch" auf einem mit Kreide beschrifteten Weinfass und regte an, ihn als Bezeichnung für den Wein zu verwenden.
Warum wurde der Name zeitweise verboten?
1938 untersagte der Werberat der deutschen Wirtschaft die weitere Verwendung der Bezeichnung „Cröver Nacktarsch" als Weinname. Die Kröver Winzer protestierten dagegen geschlossen, da der Name bereits eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für den Weinabsatz hatte.
Welche Rebsorten wachsen im Kröver Nacktarsch?
Die wichtigste Rebsorte ist Riesling. Darüber hinaus wachsen je nach Einzellage unter anderem Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Spätburgunder, Kerner, Rivaner, Bacchus und Dornfelder.
Welche Einzellagen gehören zum Kröver Nacktarsch?
Kröver Steffensberg, Kröver Letterlay, Kröver Kirchlay, Kröver Paradies, Köveniger Burglay und Köveniger Herrenberg. Jede dieser Lagen besitzt eigene Bodenstrukturen, Mikroklimata und Charakteristika.
Welche Böden prägen den Kröver Nacktarsch?
Vorherrschend sind Devonschieferböden, ergänzt durch Ton- und Lehmböden. Während Schiefer für Mineralität und Eleganz sorgt, verleihen Ton und Lehm den Weinen mehr Körper, Schmelz und Kraft.
Welche Geschmacksrichtungen gibt es?
Die Weinlage bringt trockene, feinherbe und fruchtsüße Weine hervor. Hinzu kommen hochwertige Prädikatsweine wie Kabinett, Spätlese oder Auslese. Gerade diese Vielfalt macht den Kröver Nacktarsch so besonders.
Ist der Kröver Nacktarsch nur Riesling?
Nein. Riesling ist zwar die wichtigste Rebsorte der Lage, doch auch zahlreiche Burgundersorten sowie weitere klassische Moselrebsorten werden erfolgreich angebaut.
Warum ist der Kröver Nacktarsch so bekannt?
Die Bekanntheit beruht auf dem Zusammenspiel aus jahrhundertealter Geschichte, außergewöhnlichem Namen, markantem Etikett, hoher Weinqualität und der engen Verbindung zur Weintradition Krövs.
Die wichtigsten Meilensteine der Geschichte
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| vor 400 Mio. Jahren | Entstehung des Devonschiefers |
| 1645 | Erste urkundliche Erwähnung der Flur „Jungarsch" |
| um 1910 | Wiederaufleben des Begriffs „Nacktarsch" im Kröver Volksmund |
| 1921 | Ein Weinhändler bietet erstmals einen Aufpreis für Wein mit dem Namen „Nacktarsch" |
| 1922 | Erstes offizielles Weinetikett des Kröver Nacktarsch erscheint |
| ab 1930 | Das Lebenstedt-Etikett prägt das Erscheinungsbild des Kröver Nacktarsch |
| 1938 | Verbot der Bezeichnung durch den Werberat |
| 1939 | Gemeinsamer Protest der Kröver Winzer gegen das Verbot |
| nach 1945 | Rückkehr des Namens in den Weinhandel |
| 1971 | Neue deutsche Weinbergsklassifikation – Kröver Nacktarsch wird als Großlage geführt |
| heute | Eine der bekanntesten Weinlagen Deutschlands |
Der Kröver Nacktarsch in Literatur, Presse und Popkultur
Es gibt nur wenige Weinlagen in Deutschland, deren Name weit über die Grenzen der Weinwelt hinaus bekannt ist. Der Kröver Nacktarsch gehört zweifellos dazu. Während viele berühmte Weinlagen ausschließlich Weinliebhabern ein Begriff sind, sorgt der Kröver Nacktarsch seit Generationen auch bei Menschen für Aufmerksamkeit, die sich ansonsten kaum mit Wein beschäftigen.
Schon kurz nach der Einführung des ersten Etiketts im Jahr 1922 berichteten Zeitungen über den ungewöhnlichen Namen. Händler warben mit ihm, Reiseführer erwähnten ihn und Besucher der Mosel nahmen häufig gerade wegen des Namens eine Flasche als Erinnerung mit nach Hause. Damit entwickelte sich der Kröver Nacktarsch früh zu einem der bekanntesten Botschafter des deutschen Weinbaus.
Im Laufe der Jahrzehnte erschien der Kröver Nacktarsch in zahlreichen Weinführern, touristischen Publikationen und Zeitungsartikeln. Seine Geschichte wurde immer wieder neu erzählt – mal historisch, mal humorvoll und häufig verbunden mit den unterschiedlichen Legenden über die Entstehung des Namens. Heute gehört der Kröver Nacktarsch zu den bekanntesten Weinbezeichnungen Deutschlands und wird regelmäßig in Reportagen, Fernsehsendungen und internationalen Medien erwähnt, wenn außergewöhnliche Weinlagen vorgestellt werden.
Der Kröver Nacktarsch als touristisches Wahrzeichen
Für den Weinort Kröv entwickelte sich der Name längst zu einem identitätsstiftenden Symbol. Ob Ortseingangsschilder, Wanderwege, Weinfeste oder Veranstaltungen – der Kröver Nacktarsch prägt das Erscheinungsbild der Gemeinde wie kaum ein anderer Begriff. Besucher aus aller Welt verbinden den Namen unmittelbar mit Kröv und der Mosel. Damit erfüllt der Kröver Nacktarsch heute eine doppelte Rolle: als geschützte Weinherkunft und gleichzeitig als kulturelles Wahrzeichen eines ganzen Weinortes.
Mythen und Irrtümer rund um den Kröver Nacktarsch
Mythos 1: Der Name wurde für Werbezwecke erfunden
Nein. Diese Annahme hält sich bis heute hartnäckig. Tatsächlich existierte der Name bereits lange vor dem ersten Weinetikett. Historische Quellen belegen verwandte Flurnamen bereits im 17. Jahrhundert. Erst viele Jahrhunderte später wurde der Name als Weinbezeichnung genutzt.
Mythos 2: Die Geschichte mit dem Jungen im Keller erklärt den Namen
Nicht ganz. Das berühmte Etikett zeigt diese Szene zwar bis heute. Historisch gilt sie jedoch als bildhafte Erklärung des Namens – nicht als tatsächlicher Ursprung.
Mythos 3: Nur Riesling darf Kröver Nacktarsch heißen
Nein. Riesling dominiert zwar die Lage. Je nach Weinberg entstehen jedoch auch hochwertige Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc oder Spätburgunder.
Mythos 4: Der Name war immer erlaubt
Nein. 1938 wurde der Name offiziell verboten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich wieder dauerhaft durch.
Mythos 5: Jeder Wein aus Kröv ist automatisch ein Kröver Nacktarsch
Nein. Ein Wein darf diese Herkunft ausschließlich tragen, wenn die Trauben tatsächlich aus der Großlage Kröver Nacktarsch stammen und die weinrechtlichen Vorgaben erfüllen.
Mythos 6: Der Name ist nur wegen seines Humors bekannt
Auch das greift zu kurz. Der außergewöhnliche Name sorgte zwar für Aufmerksamkeit. Seinen langfristigen Erfolg verdankt der Kröver Nacktarsch jedoch vor allem der Qualität seiner Weine. Wäre die Weinqualität über Jahrzehnte nicht überzeugend gewesen, hätte der Name kaum eine solche internationale Bekanntheit erreicht.
Der Kröver Nacktarsch im Wandel der Weinwelt
Wie viele bekannte Weinlagen Deutschlands erlebte auch der Kröver Nacktarsch in den 1970er- und 1980er-Jahren eine Phase, in der hohe Erträge häufig wichtiger waren als kompromisslose Qualität. Die internationale Nachfrage nach unkomplizierten, fruchtigen Weißweinen war groß. Gleichzeitig führte das deutsche Weinrecht dazu, dass bekannte Lagennamen vielfach sehr breit genutzt wurden. Für Verbraucher wurde es dadurch schwieriger, Qualitätsunterschiede allein anhand der Herkunft zu erkennen.
Ab den 1990er-Jahren setzte jedoch ein deutlicher Wandel ein. Immer mehr Winzer reduzierten bewusst ihre Erträge, arbeiteten naturnäher im Weinberg und legten den Fokus wieder auf Herkunft, Terroir und handwerkliche Weinbereitung. Auch die Bedeutung der einzelnen Weinberge rückte wieder stärker in den Mittelpunkt. Heute steht der Kröver Nacktarsch nicht mehr allein für einen bekannten Namen, sondern zunehmend für charakterstarke Moselweine mit klarer Herkunft und hoher Qualität.
Moderne Interpretation einer historischen Weinlage
Die heutige Generation der Winzer verbindet jahrhundertealte Erfahrung mit moderner Kellertechnik und nachhaltigem Weinbau. Dazu gehören unter anderem:
- selektive Handlese,
- geringere Erträge,
- schonende Pressung,
- temperaturkontrollierte Vergärung,
- nachhaltige Bewirtschaftung der Steillagen,
- und eine stärkere Betonung der jeweiligen Einzellage.
Diese Entwicklung hat wesentlich dazu beigetragen, das internationale Ansehen der Mosel und damit auch des Kröver Nacktarsch weiter zu stärken.
Terroir & Geologie – eine Landschaft, die vor über 400 Millionen Jahren entstand
Die Grundlage des Kröver Nacktarsch entstand lange bevor der erste Mensch die Mosel erreichte. Vor rund 400 Millionen Jahren lag das heutige Moseltal am Grund eines Urmeeres. Unter gewaltigem Druck entstanden aus Ablagerungen jene Schiefergesteine, die heute den Charakter der Weinberge prägen. Im Laufe der Erdgeschichte wurden diese Gesteinsschichten aufgefaltet, angehoben und durch Wind, Wasser und Frost verwittert. Das Ergebnis sind die typischen Schieferverwitterungsböden der Mittelmosel.
Warum Schiefer so wertvoll ist
Die lockeren Schieferschichten speichern Wärme besonders gut und ermöglichen den Rebwurzeln, mehrere Meter tief in den Boden einzudringen. Schiefer...
- speichert Sonnenwärme,
- reflektiert Licht,
- erwärmt die Trauben zusätzlich,
- sorgt für gute Wasserführung,
- zwingt die Reben zu tiefem Wurzelwachstum,
- fördert geringe Erträge bei hoher Qualität.
Genau diese Kombination macht Moselrieslinge weltweit einzigartig.
Das Mikroklima der Mosel
Mehrere Faktoren wirken gleichzeitig zusammen: Süd- und Südwesthänge, der Wärmespeicher Mosel, Schiefer als zusätzlicher Wärmespeicher, Luftbewegung entlang des Flusses, eine lange Vegetationsperiode und eine langsame Aromareife. Dieses Zusammenspiel bezeichnet man als Terroir.
Besuch in Kröv – Wein erleben, wo er entsteht
Der Kröver Nacktarsch lässt sich nicht nur trinken, sondern auch erleben. Wer Kröv besucht, entdeckt eine der schönsten Weinlandschaften Deutschlands.
WeinKulturWeg
Der WeinKulturWeg führt durch die historischen Weinberge rund um Kröv. Entlang des Weges informieren zahlreiche Stationen über:
- Weinbau,
- Geologie,
- Geschichte,
- Rebsorten,
- Steillagen,
- Arbeit der Winzer.
Von vielen Aussichtspunkten eröffnet sich ein beeindruckender Blick über das Moseltal.
Weinwanderungen
Besonders beliebt sind geführte Weinwanderungen. Dabei erleben Besucher die Weinberge hautnah, typische Schiefersteillagen, Einblicke in die Arbeit der Winzer und Verkostungen direkt im Weinberg.
Weinproben
Wer den Kröver Nacktarsch verstehen möchte, sollte ihn probieren. Bei einer Weinprobe lassen sich die Unterschiede zwischen trocken, feinherb, fruchtsüß, Kabinett und Spätlese besonders gut nachvollziehen.
Tipp
Im Weinhaus Beth erleben Besucher täglich authentische Weinproben mit Weinen aus dem Kröver Nacktarsch. Ergänzt werden diese durch Kellerführungen, Planwagenfahrten und Einblicke in den Alltag eines familiengeführten Weinhauses – ein Erlebnis, das die Geschichte und Herkunft der Weine unmittelbar erlebbar macht.
Genuss mit Herkunft
Der Kröver Nacktarsch ist deshalb weit mehr als ein Wein mit einem außergewöhnlichen Namen. Er vereint jahrhundertealte Weinbaugeschichte, einzigartige Steillagen, die Handschrift engagierter Winzer und die Vielfalt der Mosel in einem Glas. Jede Flasche erzählt ihre eigene Geschichte – geprägt von Schiefer, Sonne, Mosel und den Menschen, die diese Kulturlandschaft seit Generationen bewirtschaften.
Die steilen Schieferhänge, das milde Klima der Mittelmosel und das handwerkliche Können der Winzer schaffen Weine mit unverwechselbarem Charakter. Gleichzeitig erinnert der Name daran, dass Wein immer auch Geschichten erzählt – Geschichten von Menschen, Orten und einer langen Tradition.
Im Weinhaus Beth ist der Kröver Nacktarsch deshalb mehr als ein Etikett. Er steht für unsere Heimat, unsere Herkunft und unseren Anspruch, die Besonderheiten dieser einzigartigen Weinlage authentisch in die Flasche zu bringen. Ob trockener Riesling, feinherber Kabinett oder fruchtsüße Spezialität – jeder Wein trägt ein Stück Kröv in sich.
Wir laden Sie herzlich ein, diese Geschichte nicht nur zu lesen, sondern selbst zu erleben: bei einer Weinprobe in unserem Weinladen, bei einem Spaziergang durch die Weinberge oder mit einem Glas Kröver Nacktarsch in geselliger Runde.